Joachim Hoell

Thomas Bernhard. Ein Portrait

Originalausgabe: dtv, München 2000, 2. Aufl. 2003
eBook: epubli GmbH, Berlin 2014
ISBN 978-3-8442-8586-4

6.99 €

 

 

Thomas Bernhard, 1931 in Holland geboren, 1989 in Gmunden/Österreich gestorben, hat in schwerer Kindheit, Kriegserfahrung und Krankheit das eigentliche Kapital für seine Existenz gesehen: Indem er diesen »Herkunftskomplex« literarisch bewältigte, schuf er eines der eindrucksvollsten Werke deutscher Sprache. Mit Wut und Komik beschreibt er sein Land und seine Epoche.

 

Joachim Hoell

Übersetzung ins Tschechische
TomᚠDimter

Prostor Verlag, Prag 2004

176 Seiten, 249 Kc
ISBN 80-7260-102-4

 
Pressestimmen

 

Äußerst kenntnisreich und einfühlsam skizziert Hoell die bewegende Vita des umstrittenen Autors.

Luxemburg, 16 mars 2001

 

Wer eine Gesamtdarstellung von Thomas Bernhards Leben und Werk bekommen möchte, ist nirgends besser aufgehoben als bei Joachim Hoell.

Frankfurt/M., 9. Februar 2001

 

... el muy documentado y conciso libro de Joachim Hoell.

Barcelona, julio/agosto 2003

 

Joachim Hoell schafft mit seiner einfühlsamen Lebensbeschreibung das für jede Biographie schlichtweg Erstrebenswerte: Er macht Lust auf die (Wieder-)Lektüre der Werke Thomas Bernhards.

Berlin, 16. April 2001

 

Joachim Hoell skizziert Thomas Bernhard präzis und wohldokumentiert. Er verfällt weder der Heroisierung noch der kühlen Distanz. Nicht hoch genug ist sein Verdienst zu schätzen, dass er Leben und Werk zu trennen weiss, ohne sie ganz voneinander zu lösen - er rückt jedes an seinen Ort.

6. Februar 2001

 

Für Hoell steht der Aspekt der »Selbstbehauptung« in der Prosa und den Theaterstücken zentral. Österreich mit allen seinen Widrigkeiten ist ihm nur mehr ein Anwendungsfall einer allgemeinem Problematik. Neues Material ist aufgetaucht, die letzten Tage Bernhards sind genau dokumentiert und Hoell bringt auch einige bisher unbekannte Fotografien über die sich der Leser freuen wird - etwa eine mit Marianne Hoppe kurz vor Bernhards Tod in Torremolinos oder eine von Bernhards erstem Automobil.
In summa ergänzt die Arbeit Hoells die bisherige biographische Literatur Bernhards trefflich und gibt daneben eine knappe Einführung in die wesentlichen Teile des Werkes.

Alfred Pfabigan

19. März 2001

 

Buchtipp

Wie man das Leben dieses Übertreibungskünstlers beschreiben kann, ohne die anhaltende Irritation seines Werkes zu neutralisieren, das beweist Joachim Hoell in seiner kleinen Bernhard-Biografie für die Portrait-Reihe beim Deutschen Taschenbuch Verlag. Neu ist das meiste nicht, was der Berliner Literaturwissenschaftler zusammengetragen hat, aber es formiert sich zu einem beeindruckenden Portrait dieses Schriftstellers, der sich in seinen sprachlichen Erregungen von einem gewaltigen Kindheits-, Krankheits- und Österreichtraum befreit hat. Heute vor siebzig Jahren wurde Thomas Bernhard geboren - in einem niederländischen Entbindungsheim für gefallene Mädchen. Dieser Makel der unehelichen Geburt, das Aufwachsen in ländlicher Armut, demütigende Erfahrungen mit den staatlichen Erziehungsinstitutionen und eine langwieriges Lungenleiden, dessen Spätfolgen ihm mehr und mehr den Atem nahmen - das alles hat sich Bernhard kunstvoll vom Leibe geschrieben. Heftiger aber als alle Krankheitsschübe legte sich ihm der morbus austriacus auf die Brust. Wobei wir Bernhards Österreichbeschimpfung immer auch als eine Weltbeschimpfung zu lesen haben, schreibt Hoell und legt im übrigen detailliert dar, wie der reale Thomas Bernhard sich selbst mehr und mehr zu einer literarischen Figur gleichen Namens stilisierte: ein tyrannischer und todgeweihter Geistesmensch, ein tief verletzter Weltverbesserer und besessener Theatermacher. Mag sein, dass sein misanthropischer Wortschwall zuweilen nicht frei vom Manierismus war, dass er bei den Beleidigungs- und Beschlagnahmeskandalen und den Aufregungen um abzuschaltende Theaternotbeleuchtungen sich immer auch am eigenen Granteln delektiert hat. Trotzdem - nach der Lektüre dieser erfreulich nüchternen Lebensdarstellung wird einmal mehr deutlich, was wir an diesem alpenländischen Verdrossenheitsvirtuosen haben: Thomas Bernhard hat die Depression aus dem Schweigen befreit, die Verzweiflung zur Sprache gebracht - und er läßt beides im Gelächter untergehen.

Holger Schlodder

9. Februar 2001

 

Sprechen als Holzfällen

... Gewissenhaft und chronologisch knüpft Hoell Adressen, Familiengeschichte, Freunde, Gönner, Orte an das Werk. Man erfährt vom Entstehen des Schreibens in der realen Welt des heimatzerstörenden Heimatschriftstellers, den Textrand bebildern Zitate. Fotos zeigen das düster zweifelnde Kind, den selbstbewussten, freundlich blickenden Jungautor, den Mann in Tirolerhut und Trachtenjacke, der in einer Art transironischer Haltung als Österreicher posiert.
Zurück bleibt von diesem Portrait eine brauchbare und genaue Skizze des Bernhardschen Lebens ...

Caroline Fetscher

Berlin, 18. Februar 2001

 

Schreiben=Selbstbehauptung

Thomas Bernhards Leben und Werk in zehn Kapiteln von Joachim Hoell

Der Österreicher Thomas Bernhard ist 1989 im Alter von nur 58 Jahren gestorben. Am 9. Februar hätte er seinen 70. Geburtstag feiern können. Aus diesem Anlass ist eine faktenreiche Bernhard-Biografie aus der Feder des Berliner Literaturwissenschaftlers Joachim Hoell erschienen. In zehn Kapiteln, angefangen mit Bernhards traumatischer Kindheit über die Stationen einer lebenslangen Krankheit, vom zunehmenden literarischen Erfolg bis hin zum Zerwürfnis mit dem Heimatland Österreich führt Hoell den Leser auf angenehm unprätentiöse Weise durch das Leben des Dichters und Dramatikers, bündelt wichtige Fakten und deutet die literarischen Werke mittels ausgewählter Schlüsselzitate. Der Biograf berücksichtigt die neuesten Forschungsergebnisse und Publikationen, darunter Karl Ignaz Hennetmairs Tagebuch (»Ein Jahr mit Thomas Bernhard«). Hoell beleuchtet den prägnanten Einfluss des Schriftsteller-Großvaters Johannes Freumbichler (1881-1949) ebenso wie Bernhards schwierigen Herkunftskomplex als Auslöser für dessen schreibende Existenz der Selbstbehauptung.
     In allen Bernhard-Werken stecken autobiografische Bezüge. Bereits die frühen Gedichtbände kreisen um typische Themen wie Isolation, Verzweiflung, Krankheit und Tod. Zerwürfnisse mit Personen und Institutionen und Eklats begleiten Bernhards Leben. Der Schlüsselroman »Holzfällen« (1984), eine Abrechnung mit künstlerischen Wegbegleitern, wird in Österreich gerichtlich konfisziert. In seinem letzten Theaterstück »Heldenplatz« (1988) wirft der Dramatiker seinem Heimatland die verdrängte Nazi-Vergangenheit vehement vor. Der Skandal, den der Nestbeschmutzer auslöst, führt zu Bernhards Testament, dem 70 Jahre langen Aufführungs- und Publikationsverbot seiner Werke in Österreich. ...
     Abbildungen vermitteln eine Nähe zur Person Bernhards: der Siebenjährige mit dem allerliebsten Großvater, Bernhard im Trachtenlook, mit Verleger Siegfried Unseld, im Stammcafé Bräunerhof in Wien und zusammen mit Tante Hedwig Stavianicek, seiner lebenslangen Mentorin, vor Bernhards Bauernhaus Krucka. Mit Werkauszügen, Zitaten, Zeittafel, Bibliografie und einem Personenregister erweist sich Hoells Bernhard-Biografie als überaus anschauliche Lebens- und Werkbeschreibung sowie als kurzweiliges Leseabenteuer.

Karl Greisinger

7. Februar 2001